Der Loc@lisator – eine neue GIS-Applikation des Statistischen Amtes

01.09.2009 - Mitteilung

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Localisator

Individuelle Standortgunst kartographisch dargestellt: Die neue Web-Applikation Loc@lisator des Statistischen Amts des Kantons Zürich erzeugt aufgrund der subjektiven Gewichtung einer Vielzahl von Standortfaktoren eine persönliche Standortgunstkarte des besiedelten Gebiets im Kanton Zürich.

Standorte haben objektive Eigenschaften, Nutzer gleich welcher Art unterschiedliche Vorstellungen von dem, was aus ihrer individuellen Sicht einen "optimalen" Standort ausmacht: sie haben also unterschiedliche Präferenzen. Der neue, in Google Maps implementierte Loc@lisator, eine Web-Applikation des Statistischen Amts, schlägt die Brücke zwischen kleinräumig verfügbarem statistischem Datenmaterial und den Präferenzen der Nutzer.

Eine Vielzahl statistischer Indikatoren aus den Bereichen "Verkehrsanbindung", "Infrastrukturangebot", "Umweltqualität" und "soziodemographischer Kontext", welche einen Standort beschreiben, können nach eigenem Gutdünken ausgewählt werden. Die Einschätzung ihrer subjektiven Bedeutung für den einzelnen Nutzer kann in der Applikation mittels eines Systems von Schiebern sehr differenziert definiert werden. Dieses individuelle Präferenzprofil, rechnerisch kombiniert mit dem Datenmaterial, resultiert in einem aggregierten Gesamtindex der persönlichen Standortgunst, der für das gesamte besiedelte Gebiet des Kantons Zürich berechnet werden kann. Diese Werte werden in Echtzeit in Form einer Farbkarte auf Hektarenbasis als Layer in Google Maps dargestellt. Sie zeigt auf einen Blick, welche Standorte aus der Sicht des Nutzers besonders günstige Eigenschaften (grün) aufweisen, und welche eher nicht (rot).

 

Loc@lisator

Screenshot: www.statistik.zh.ch; grün = günstiger Standort; rot = ungünstiger Standort

 

Die offene Konzeption des Loc@lisators und die Vielfalt der verfügbaren Indikatoren lassen sehr unterschiedliche Verwendungen zu. Denkbar ist etwa, dass er Privatpersonen dabei unterstützen kann, eine ihren Bedürfnissen und Ansprüchen entsprechende Wohngegend im Kanton Zürich zu finden. Aber auch Firmen, die sich im Kanton ansiedeln wollen, oder Gewerbetreibende können sich auf einen Blick darüber informieren, wo die Bedingungen für sie günstig sind.

Methodik und Berechnungsbeispiel

Voraussetzung für die Kombination des Präferenzprofils mit dem statistischen Datenmaterial ist deren Normierung. Nach einer vorgängigen Bereinigung der Indikatoren um Ausreisser, wird der Wertebereich der Indikatoren in den 34390 besiedelten Hektaren des Kantons Zürich so normiert, dass der maximale Indikatorwert auf 100 und der kleinste auf 0 gesetzt wird. Der aggregierte individuelle Standortgunstwert einer bestimmten Hektare ist das gewichtete Mittel der derart normierten Indikatoren, wie das folgende Beispiel zeigt:

Die Familie Muster ist auf Wohnungssuche. Aus ihrer Sicht sind Standorte günstig, die in der Nähe einer S-Bahn-Haltestelle und einer Schule oder eines Kindergartens liegen. Ausserdem ist ihr ein tiefes Mietzinsniveau lieber als ein hohes, und in der Umgebung soll kein Mangel an Gspänli für die Tochter herrschen. Familie Musters Präferenzprofil lässt sich also mit folgenden Indikatoren und Gewichtungen umschreiben:

Präferenzprofil Familie Muster

IndikatorGewichtung (Präferenz)normierter Indikatorenwert einer Beispielhektare mit den Koordinaten x = 694150 und y = 239350.
S-Bahn-Haltestelle7085.45
Schule oder Kindergarten10059.01
Wohnungsmiete / m2-8046.02
Kinder bis 6 Jahre10038.59

Mit der Stellung der Schieber in der Applikation kann Familie Muster das subjektive Gewicht, das sie diesen Standortfaktoren beimisst, zum Ausdruck bringen: Ein Wert von 100 entspricht dabei der Schieberstellung "ganz rechts", d.h. ihr ist eine hohe Ausprägung dieses Standortfaktors sehr wichtig. Stellt sie hingegen den Schieber auf "ganz links", bringt sie damit zum Ausdruck, dass sie Standorte mit einem möglichst niedrigen Wert bevorzugt, ihnen also das Gewicht -100 geben will. Im Beispiel möchte Familie Muster so wenig Miete wie möglich bezahlen.

Standortgunstindex von Hektare x = (Gewichtung Indikator 1 * Wert Indikator 1) + (Gewichtung Indikator 2 * Wert Indikator 2) + (-1 * Gewichtung Indikator 3 * (100 - Wert Indikator 3)) + (Gewichtung Indikator 4 * Wert Indikator 4)

(70 * 85) + (100 * 59) + (-80 * (100 - 46)) + (100 * 39) = 20059

Die berechnete Kennzahl für die Beispielhektare wird nun in Relation zu den Kennzahlen sämtlicher Hektaren für die ausgewählte Kombination von Präferenzen und normierten Indikatoren gesetzt. Minimum und Maximum im Kanton Zürich betragen 2290 und 26264. Nach derselben Regel wie bei den Einzelindikatoren - transformiert auf eine Skala von 0 bis 100 - erhält die Beispielhektare den Indexwert 84 (100/(26265-2290)*200670) und stellt damit einen im Licht des Präferenzprofils von Familie Muster relativ gut geeigneten Standort dar. Dieser Wert - und die analog berechneten Werte aller anderen besiedelten Hektaren - wird nun noch in eine Farbskala umgewandelt und als Layer in Google Maps dargestellt.

Die Skala mit den Werten wird in Form eines Histogramms dargestellt.

Kennzahlberechnung:

Kennzahl = (Gewichtung Indikator 1 * Wert Indikator 1) + (Gewichtung Indikator 2 * Wert Indikator 2) + (-1 * Gewichtung Indikator 3 * (100 - Wert Indikator 3)) + (Gewichtung Indikator 4 * Wert Indikator 4)

Standardmässig wird der Wertebereich der Indikatoren im gesamten Kanton für die Normierung der Indikatoren verwendet. Bei der möglichen Einschränkung auf Teilgebiete (Gemeinden, Bezirke, Regionen), ist der jeweilige, meist natürlich kleinere Wertbereich der Indikatoren der Referenzrahmen für die Normierung. So werden kleinräumige Unterschiede noch besser erkennbar.

Datenquellen

Grundlage für die Berechnung der 20 Indikatoren bilden Erhebungen des Statistischen Amtes des Kantons Zürich, des Bundesamtes für Statistik (BFS), des GIS-Zentrums des Kantons Zürich, des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) sowie der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Im Loc@lisator werden nur die besiedelten Hektaren des Kantons Zürich dargestellt. Bei der Wahl sensitiver Indikatoren müssen mindestens zwei weitere Indikatoren mit einer Gewichtung grösser +-20 angewählt werden. Als sensitive Indikatoren gelten Wohnungsmiete/m2, Bodenpreise/m2, Beschäftigte/Einwohner, Anzahl Einfamilienhäuser, Kinder bis 6 Jahre, Kinder 7 bis 15 Jahre und Haushaltsgrösse.

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