Branchenprofil: Struktur und Dynamik der Zürcher Wirtschaft

10.04.2017 - Mitteilung

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Branchenprofil

Das Branchenprofil des Statistischen Amts ordnet die Wirtschaftsbranchen im Kanton Zürich hinsichtlich ihrer Wachstumsdynamik und Relevanz für den Kanton ein. Mit dem interaktiven Tool ist es zudem möglich, die Veränderungen der einzelnen Branchen in den letzten Jahren zu verfolgen.

Im Kanton Zürich sind sehr viele unterschiedliche Firmen aktiv. Sei es im Detailhandel oder im Fahrzeugbau, im Baugewerbe oder im Gesundheitswesen. Diese Firmen lassen sich in 50 Branchen und Unterbranchen einteilen. Nicht jede Branche hat aber für den Kanton die gleiche Bedeutung. Es gibt grosse und kleine Branchen, solche mit regionaler und andere mit überregionaler Bedeutung sowie wachsende und schrumpfende Branchen.  

Einordnung im Vierfelder-Schema

Die regionale Bedeutung einer Branche ist in der Horizontalen der Abbildung dargestellt. Dies ist der Quotient aus Beschäftigungsanteil der Branche im Kanton Zürich und Beschäftigungsanteil in der gesamten Schweiz. Ein Wert von eins bedeutet, dass die Bedeutung einer Branche im Kanton Zürich gleich gross ist wie in der gesamten Schweiz. Werte darüber signalisieren eine überdurchschnittliche wirtschaftliche Relevanz dieser Branchen für den Kanton. In der Vertikalen ist dagegen die Wachstumsdifferenz dargestellt. Eine Wachstumsdifferenz von null bedeutet, dass die Branche im Kanton Zürich gleich stark gewachsen ist wie in der gesamten Schweiz. Auch Branchen, in denen die Beschäftigung rückläufig ist, erzielen hier einen positiven Wert, wenn der Beschäftigungsrückgang kleiner ist als im Landesmittel. Dieser Wert erlaubt eine Aussage über die Dynamik der einzelnen Branchen. Das «Fadenkreuz» in der Abbildung stellt also das Schweizer Mittel dar. Es spannt ein Vierfelder-Schema auf, das die Branchen hinsichtlich ihrer Struktur und Dynamik einordnet. Dargestellt ist eine Momentaufnahme, Aussagen über das zukünftige Wachstumspotenzial einer Branche lassen sich daraus nicht ableiten.

Wie positionieren sich die einzelnen Branchen?

Oben rechts, im ersten Quadranten gelegene Branchen weisen im Kanton hohe Beschäftigungsanteile auf und wuchsen seit 2012 überdurchschnittlich. Dies trifft auf zahlreiche Branchen der freiberuflichen Dienstleistungen, Information und Kommunikation sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen zu, ebenso auf die Luftfahrt (und Schifffahrt). Die Versicherungen weisen im Beobachtungszeitraum zwar einen Beschäftigungsrückgang auf, dieser fiel im Kanton Zürich jedoch geringer aus als im landesweiten Mittel. Diese meist stark spezialisierten und wertschöpfungsintensiven Branchen stellen mit einem Beschäftigungsanteil von mehr als einem Drittel die Basis für die Wirtschaftskraft des Kantons dar.   

Gegenteilig positionieren sich die Branchen im dritten Quadranten unten links: Sie haben eine geringe regionale Bedeutung für die Wirtschaft des Kantons und entwickeln sich weniger gut als Firmen derselben Branchen ausserhalb des Kantons Zürich. Es sind dies insbesondere die wenig technologie- und wertschöpfungsintensiven Branchen aus dem verarbeitenden Gewerbe sowie Baugewerbe/Bau. Daneben jedoch auch spezialisierte Dienstleistungen wie die Personalvermittlung sowie Forschung und Entwicklung, die im Kanton Zürich zwar stark gewachsen sind, deren Beschäftigung in der Gesamtschweiz aber noch deutlich stärker angestiegen ist. In der Summe sorgen diese Branchen für 19% der Gesamtbeschäftigung im Kanton Zürich.

Die Branchen im zweiten Quadranten unten rechts sind im Kanton überproportional präsent, entwickeln sich aber unterdurchschnittlich. Branchen in diesem Quadranten würden bei gleichbleibender Entwicklung mit der Zeit an Bedeutung verlieren. Diese Typisierung trifft lediglich auf sechs Branchen zu, in denen weniger als ein Fünftel der Zürcher Beschäftigten arbeiten.

Schliesslich befinden sich im vierten Quadranten oben links jene Branchen mit überdurchschnittlichem Wachstumstempo, aber unterdurchschnittlichen Beschäftigungsanteilen. Nebst einigen «Grundversorgern» (vgl. letzter Abschnitt) befinden sich hier besonders auch technologieintensive Branchen des verarbeitenden Gewerbes wie elektrische Ausrüstungen und Datenverarbeitungsgeräte. Diese Branchen sind im Kanton Zürich zwar (noch) weniger bedeutend, verfügen aber über eine hohe Innovationskraft und Dynamik und könnten damit zukünftig für die Wirtschaft des Kantons an Relevanz zulegen.
 

Zwei Spezialfälle: «Grundversorger» und Pharmaindustrie

Zu den Grundversorgern zählen Branchen wie der Detailhandel, das Gesundheits- und Unterrichtswesen, aber auch Heime oder die öffentliche Verwaltung. Sie positionieren sich allesamt im Zentrum, in der Nähe des Schweizer Mittels. Ihre Bedeutung ist ähnlich wie in der ganzen Schweiz und ihr Wachstum folgt primär dem Bevölkerungswachstum und dem demografischen Wandel.

Nicht abgebildet ist die Pharmaindustrie. Die klar am stärksten wachsende Branche im Kanton Zürich würde den Rahmen der Abbildung sprengen. Mit einem durchschnittlichen Jahreswachstum von 18% übertreffen die hier ansässigen Pharmabetriebe auch das gesamtschweizerische Beschäftigungswachstum dieser Industrie deutlich. Die relative Bedeutung der Pharmaindustrie ist im Kanton Zürich mit lediglich 420 Vollzeitstellen noch gering. Sie würde sich dadurch im vierten Quadranten einordnen.
 

Fazit

Die schematische Einordnung der Branchen ermöglicht einen Überblick über ihre Bedeutung für die Wirtschaft im Kanton. Es zeigt sich, dass die für den Kanton Zürich spezifischen Branchen eine überdurchschnittliche Wachstumsdynamik aufweisen und mehr als ein Drittel der kantonalen Beschäftigung ausmachen.

 

Analyse: Andrea Schnell, Statistisches Amt Kanton Zürich
Grafik: Matthias Mazenauer, Statistisches Amt Kanton Zürich
Quelle: Bundesamt für Statistik, Quasi-STATENT, STATENT 2014

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